Praxis
Vom digitalen Aufmaß zum Grundriss – so entsteht ein Plan aus der Punktwolke
Pläne vom Haus fehlen oder stimmen nicht mehr? So werden aus dem Laserscan Grundrisse und Schnitte, mit denen der Planer direkt arbeiten kann. Mit Beispielplan und Erklärung aller Höhenangaben.

Das Wichtigste vorab
- Fehlt ein Grundriss oder stimmt der alte nicht mehr, wird das Gebäude mit dem Laserscanner aufgenommen. Daraus entsteht eine Punktwolke, ein messbares 3D-Abbild.
- Auf dieser Punktwolke zeichnen wir Grundrisse und Schnitte mit allen Maßen und Höhen, als DWG für den Planer und als PDF zum Drucken.
- Der eigentliche Gewinn: Alle Maße liegen im Büro vor. Braucht der Planer später noch einen Schnitt, entsteht er ohne neuen Termin vor Ort.
- Unten zeigen wir an einem Beispielhaus, was in einem fertigen Plan steht und wie man ihn liest, von der Brüstungshöhe bis zur Unterkante Decke.
„Haben Sie noch Pläne vom Haus?“ Bei älteren Gebäuden lautet die Antwort oft: nein. Oder es gibt einen Plan aus dem Bauantrag von damals, der mit dem heutigen Stand wenig zu tun hat. Wer umbauen, sanieren oder verkaufen will, braucht aber einen Grundriss, auf den sich Architekt, Zimmerer und Handwerker verlassen können. So kommen Sie dahin.
Schritt 1: das Aufmaß vor Ort
Statt mit Zollstock und Notizblock nehmen wir das Gebäude mit dem 3D-Laserscanner (FARO Focus) auf. Der Scanner steht auf einem Stativ und erfasst von jedem Standpunkt aus alles, was er sieht: Wände, Decken, Balken, Fenster und Türen. Weil ein Standpunkt nie alles sieht, scannen wir aus vielen Positionen, innen wie außen. Ein Einfamilienhaus ist meist an einem Tag erfasst.
Damit die Einzelscans später sauber zusammenpassen, hängen wir vorher Passmarken auf. Das sind gedruckte Zielmarken (AprilTags), an denen die Software die Scans zueinander ausrichtet.
Der Vorteil vor Ort: Wir müssen nicht entscheiden, welche Maße später gebraucht werden. Erfasst wird alles. Was beim Aufmaß mit dem Zollstock vergessen wird, fehlt später. Beim Scan ist es einfach da.
Schritt 2: die Punktwolke
Im Büro werden die Einzelscans zu einer durchgehenden Punktwolke zusammengesetzt. Das ist ein 3D-Abbild aus vielen Millionen Messpunkten, in dem sich jede Strecke und jede Höhe direkt abgreifen lässt.
Für den Plan legen wir einen Schnitt durch die Punktwolke, so als würde man das Gebäude mit einer Säge durchtrennen und hineinschauen. Für den Grundriss liegt dieser Schnitt waagerecht, etwa einen Meter über dem Fußboden, für einen Schnittplan senkrecht.

Aus einem echten Projekt: Schnitt durch die Punktwolke einer Scheune vor dem Umbau. Die gelben Linien sind bereits die Zeichnung, die direkt auf den Messpunkten entsteht.
Schritt 3: Grundriss und Schnitt entstehen
Gezeichnet wird in CAD direkt auf der Punktwolke. Jede Linie liegt dort, wo im Scan auch die Wand ist. So entsteht der Grundriss: Wände mit ihrer echten Stärke, Fenster, Türen und Treppe, vollständig bemaßt. Dazu kommen die Höhen, die wir an der Punktwolke abgreifen und als Koten in den Plan schreiben.
So sieht das an einem Beispielhaus aus, einem Einfamilienhaus mit Satteldach. Das Gebäude ist fiktiv, damit wir keine Kundendaten zeigen. Aufbau, Darstellung und Beschriftung sind aber genau so, wie wir unsere Pläne liefern.
Beispielplan Grundriss EG. Zum Vergrößern anklicken.
So lesen Sie den Grundriss
Ein Plan aus dem Aufmaß enthält mehr als Wände und Maße. Die blauen Angaben sind Höhen. Sie beziehen sich alle auf einen Nullpunkt, hier die Oberkante des fertigen Fußbodens im Erdgeschoss (±0,00).
- Maßketten außen und innen, in Zentimetern: Im Beispiel ist das Haus 10,49 × 8,99 m groß, die Außenwände sind 36,5 cm dick.
- Raumstempel mit Raumname, Fläche und lichter Höhe, zum Beispiel „Wohnen, 26,16 m², LH 2,58“. Die lichte Höhe (LH) ist der Abstand vom fertigen Boden bis zur fertigen Decke.
- FFB steht für die Oberkante des fertigen Fußbodens. Im Beispiel liegt die Küche bei −0,01, also einen Zentimeter tiefer als das Wohnzimmer. Solche Unterschiede sieht man mit bloßem Auge nicht, beim Verlegen eines neuen Bodens zählen sie aber.
- UK FD und UK RD sind die Unterkante der fertigen Decke und der Rohdecke. Der Unterschied ist der Deckenputz.
- UZ ist ein Unterzug, ein Träger unter der Decke. Im Beispiel liegt er über dem Durchgang zur Küche mit der Unterkante bei +2,36, also gut 20 cm tiefer als die Decke. Wer den Durchgang verbreitern oder Hängeschränke bis unter die Decke planen will, muss das wissen.
- BRH ist die Brüstungshöhe, die Höhe der Fensterbank über dem fertigen Boden. Wichtig für Möbel, Heizkörper und neue Fenster.
- Sturz gibt die Unterkante über Türen an, im Beispiel +2,01 innen und +2,13 an der Haustür.
Die gestrichelte Linie mit den Buchstaben A zeigt, wo der Schnitt durch das Haus gelegt ist.
Der Schnitt zeigt die Höhen
Der Schnitt ergänzt den Grundriss um alles, was in der Höhe passiert: Decken, Fußbodenaufbau, Dachgeschoss und Dach.
Beispielplan Schnitt A-A. Zum Vergrößern anklicken.
Im Beispiel liest man ab: Die Rohdecke über dem Erdgeschoss ist 20 cm stark (UK RD +2,60, OK RD +2,80). Der Fußboden im Dachgeschoss liegt bei +2,93. Darüber liegt die Kehlbalkenlage mit den Deckenbalken (UK DB) bei +5,30. Daraus ergibt sich im Dachgeschoss eine lichte Höhe von 2,37 m, eine Zahl, die bei jedem Dachausbau als Erstes gebraucht wird. Ganz oben liegt der First bei +7,62.
Was kein alter Plan zeigt
Ein Beispiel aus einem echten Projekt: Bei einer Scheune, die zum Wohnhaus umgebaut wird, misst dieselbe Außenwand auf drei Höhen drei verschiedene Längen, 12,06 m, 12,10 m und 12,14 m. Das ist kein Messfehler. Das Gebäude wird nach oben schmaler, wie viele alte Häuser, die seit Generationen arbeiten.
Für den Planer ist das wichtig: Wer neue Wände, Decken oder Fenster einplant, muss wissen, dass das Gebäude nicht im rechten Winkel steht. Sonst passt es auf der Baustelle nicht. Ein Grundriss aus der Punktwolke bildet diese Abweichungen ab, statt sie glattzuziehen. Wo es darauf ankommt, lässt sich das bis zum verformungsgerechten Aufmaß treiben.
Was der Scan nicht sieht
Der Laserscanner erfasst nur, was er sieht. Was hinter Verkleidungen, unter dem Bodenbelag oder in der Dämmung liegt, bleibt verborgen. Den Aufbau einer Decke zum Beispiel misst der Scanner nicht, er sieht nur Unter- und Oberkante. Solche Stellen kennzeichnen wir im Plan, damit jeder weiß, was gemessen und was ergänzt ist.
Was Sie am Ende in der Hand haben
- Grundrisse je Geschoss mit Maßen, Raumflächen und Höhen, als DWG oder DXF für jedes CAD-Programm und als PDF zum Drucken.
- Schnitte und Ansichten an den Stellen, die Sie brauchen.
- Die Punktwolke selbst als Grundlage für alles, was später noch kommt.
Und das ist der eigentliche Nutzen: Jedes Maß liegt im Büro vor. Niemand muss zum Nachmessen noch einmal raus. Braucht der Architekt im Lauf der Planung einen weiteren Schnitt, zeichnen wir ihn aus derselben Aufnahme, ohne neuen Termin vor Ort. Auf Wunsch rechnen wir aus dem Grundriss auch gleich die Wohnfläche nach WoFlV.
So läuft es ab
- Gespräch: Welche Pläne brauchen Sie, in welchem Maßstab, in welchem Format? Sie bekommen binnen 24 Stunden einen Festpreis.
- Laserscan vor Ort: alle Räume und die Fassaden, bei einem Wohnhaus meist an einem Tag.
- Punktwolke: Zusammensetzen und Prüfen der Scans im Büro.
- Zeichnung: Grundrisse, Schnitte und Ansichten direkt auf der Punktwolke, mit allen Höhen.
- Lieferung: nach 3 bis 5 Werktagen als DWG und PDF.
Mehr zur Leistung lesen Sie unter Grundriss erstellen lassen.
Häufige Fragen
Ich habe gar keine Pläne vom Haus. Geht das trotzdem?
Ja, genau dafür ist das Verfahren da. Wir brauchen keine Unterlagen, der Scan nimmt das Gebäude so auf, wie es heute steht.
Ich habe einen alten Plan. Lohnt sich ein neues Aufmaß?
Wenn umgebaut wurde oder der Plan aus der Bauantragszeit stammt, meistens ja. Alte Pläne zeigen, was geplant war, nicht unbedingt, was gebaut wurde.
Kann mein Architekt mit den Daten arbeiten?
Ja. Die Pläne kommen als DWG oder DXF und lassen sich in AutoCAD, BricsCAD und jedem anderen CAD-Programm weiterbearbeiten. Das PDF ist zum Drucken und Weitergeben gedacht.
Was, wenn später noch ein Plan fehlt?
Dann zeichnen wir ihn nach. Die Aufnahme enthält das ganze Gebäude. Ein weiterer Schnitt oder ein weiteres Geschoss braucht keinen neuen Termin vor Ort.
Fazit
Ein Grundriss aus der Punktwolke zeigt das Gebäude so, wie es wirklich ist, mit echten Wandstärken, schiefen Wänden und allen Höhen vom Fußboden bis zum First. Der Planer arbeitet auf dem echten Bestand statt auf Annahmen, und jedes Maß, das er im Lauf der Planung braucht, liegt schon vor.
Sprechen Sie uns an. Gerne zeigen wir Ihnen in einem persönlichen Termin, wie das bei Ihrem Gebäude aussehen würde, auf Wunsch auch an einem Modell live online.






