Schadenskartierung am historischen Dachwerk: warum wir neue Wege gehen

Das Wichtigste vorab

  • Wir richten uns nach den anerkannten Empfehlungen für Baudokumentationen und dem Leitfaden zur Dokumentation im konstruktiven Holzbau.
  • Klassisch wird auf einem Papierplan kartiert – den nutzen wir zur Orientierung, gehen aber bewusst neue Wege: die Kartierung läuft direkt in einer App mit fester Zuordnung.
  • Wir lehnen uns an die vorhandene Nummerierung des Dachwerks an, damit alles einstimmig bleibt.
  • Wichtig: Wir bewerten Schäden nicht selbst – wir unterstützen die Dokumentation vor Ort, wenn gewünscht.
  • Alle Angaben stammen aus einem echten Projekt von uns – nichts ist erfunden.

Ein historisches Dachwerk erzählt seine Geschichte in Hunderten von Details: ein durchgefaulter Deckenbalken hier, ein herausgezogener Zapfen dort, eine Mauerlatte, die schlicht nicht mehr vorhanden ist. Wer ein solches Dach denkmalgerecht sanieren will, muss diese Details vollständig und nachvollziehbar dokumentieren – bevor der erste Handwerker anrückt.

Genau bei dieser Dokumentation gehen wir einen etwas anderen Weg. Dieser Beitrag zeigt am Beispiel einer denkmalgeschützten Kirche, wie wir die Schadenskartierung angehen – und warum. Er baut auf Teil 1 der Serie auf, in dem wir zeigen, wie aus dem 3D-Laserscan ein verformungsgerechtes Modell entsteht.

Warum wir die klassische Kartierung neu denken

Die klassische Schadensdokumentation im Holzbau läuft über Papierpläne, Fotolisten und getrennte Berichtstexte. Bei einem überschaubaren Fachwerkgiebel funktioniert das gut. Bei einem Kirchendachwerk mit mehreren Hundert Konstruktionshölzern wird es mühsam:

  • Fotochaos. Am Ende des Tages liegen Hunderte Bilder auf dem Handy – und niemand weiß mehr, welches Foto zu welchem Sparren gehört.
  • Zuordnung geht verloren. Ein Schaden auf dem Papierplan, die Beschreibung im Textdokument, das Foto im Ordner: drei Orte, die man von Hand synchron halten muss.
  • Keine Auswertung. „Wie viele Deckenbalken sind stark geschädigt?“ lässt sich aus einem Stapel Papier nicht auf Knopfdruck beantworten.

Wir von SkyGeoScan haben uns gedacht: Das geht auch anders. Den Papierplan nutzen wir weiterhin zur Orientierung vor Ort – aber die eigentliche Kartierung läuft direkt in einer App, in der jeder Schaden fest einem Bauteil zugeordnet ist. Für uns ergibt das deutlich mehr Sinn: eine Datenquelle statt drei, keine verlorenen Zuordnungen, auswertbar auf Knopfdruck.

Wichtige Klarstellung: Die fachliche Beurteilung der Schäden liegt bei Denkmalpflegern, Sachverständigen und dem ausführenden Zimmerer. Wir führen die Schadensbewertung nicht selbst durch – wir unterstützen die Dokumentation vor Ort, wenn das gewünscht ist.

Und noch etwas: Unser System ist nicht auf Kirchendächer beschränkt. Es lässt sich genauso am normalen Fachwerk eines Wohnhauses anwenden.

Vom Laserscan zum nummerierten Plan

Die Grundlage ist der maßhaltige, verformungsgerechte Plan aus dem 3D-Laserscan (siehe Teil 1: vom Scan zum IFC-Modell). Aus Millionen Messpunkten entsteht zunächst ein maßhaltiges Modell des gesamten Dachwerks – die Basis, auf der später jeder Schaden verortet wird.

3D-Modell eines historischen Kirchendachwerks aus dem Laserscan
Aus Millionen Messpunkten entsteht ein maßhaltiges 3D-Modell des gesamten Dachwerks.

Damit jeder Schaden eindeutig einem Bauteil zugeordnet werden kann, braucht jedes Gebinde eine Nummer. Bei der Nummerierung gehen wir denkmalgerecht vor:

  • Vorhandene Nummern haben Vorrang. Weist der Dachstuhl bereits historische Abbundzeichen oder Nummern auf, übernehmen wir diese. So bleiben wir mit dem Bestand einstimmig und schreiben keine zweite, konkurrierende Zählung darüber.
  • Optional unsere eigene Nummerierungzerstörungsfrei, wie es der Denkmalschutz verlangt. Auf Wunsch bringen wir sie zusätzlich am Bauteil an, gerne mit einem QR-Code zur direkten Anwendung: einmal scannen, und man ist beim richtigen Datensatz.

Diese Nummer ist der rote Faden – sie steht am Bauteil, auf dem Plan, in der App und auf der QR-Akte. Jede Nummer zeigt immer auf dasselbe Holz, vor Ort wie am Schreibtisch.

Holzschild mit Bauteilnummer 17 und QR-Code, mit Naturseil zerstörungsfrei am Balken befestigt
Zerstörungsfrei angebracht: Bauteilnummer und QR-Code auf einem Holzschild, mit einem Naturseil um das Bauteil gebunden – ganz ohne Schrauben oder Nägel. (Test-QR SGS-TEST1)
Nummerierter Plan eines Dachwerks mit Gebinden 1 bis 20 und farbigen Schadensmarkierungen
Jedes Gebinde bekommt eine Nummer; Schäden werden im maßstäblichen Plan verortet (anonymisiert).

Der Ablauf: erfassen, präzisieren, ausgeben

Unser Vorgehen trennt bewusst drei Schritte – weil auf dem Dachboden andere Regeln gelten als am Schreibtisch:

  1. Vor Ort erfassen (Handy, offline). Bauteil-Nummer antippen, Bauteil und Schadensart wählen, Schadensgrad per Farbe setzen, „+“ fürs nächste Holz. Fotos hängen sich automatisch an den Schaden.
  2. Am Schreibtisch präzisieren (Maus, großer Bildschirm). Jeden Schaden exakt auf dem maßhaltigen Plan verorten und den vollen Feldkatalog füllen.
  3. Ausgeben. Aus derselben Datenbank entstehen Bericht, maßstäblicher Plan-Druck und die Online-Akte.

Wie diese Ausgaben im Detail aussehen – der Cloud-Viewer mit verorteten Schäden, der klickbare Bericht und die QR-Akte –, zeigt Teil 3 dieser Serie.

Fallstudie in Zahlen: das Dachwerk einer denkmalgeschützten Kirche

An einer denkmalgeschützten Kirche in Mittelfranken haben wir das Hauptdach über den Gebinden und den Chor-/Walmbereich vollständig dokumentiert. Die Gebäudevermessung lieferte dafür die maßhaltige Grundlage.

Erfasste Einzelschäden über 70
Kartierter Bereich Hauptdach (Gebinde 1–20) + Chor-/Walmbereich (Achsen A–K)
Häufigste Schwerpunkte Deckenbalken, Sparren, Binder-Auflager
Davon fachlich bewertet zerstört: 19 · stark: 21 · mittel: 8 · gering: 1 (nicht bewertbar: 2)

Das Schadensbild war typisch für ein gewachsenes Dachwerk: mehrere Deckenbalken mit Grad „zerstört“, Sparren mit starker Schädigung, Binder, die einseitig aufliegen, und eine Mauerlatte, die in einem Feld gar nicht mehr vorhanden war.

Durchgefaultes Auflager eines Deckenbalkens auf der Mauerlatte im historischen Dachwerk
Typisches Schadensbild: durchgefaultes Balkenauflager – ein echter Befund erzählt mehr als jedes Diagramm.

Weil mein Hintergrund das Zimmererhandwerk ist, lässt sich jeder Befund in der Fachsprache des Dachwerks ansprechen – vom Scherzapfen am First bis zur überkämmten Mauerlatte. Diese Übersetzung zwischen Messtechnik und Handwerk macht die Dokumentation für Denkmalpfleger und ausführende Zimmerer gleichermaßen brauchbar.

Häufige Fragen

Ersetzt die App den Sachverständigen?

Nein. Die fachliche Bewertung bleibt bei Denkmalpflegern, Statikern und Zimmerern. Wir liefern die saubere, verortete Dokumentationsgrundlage.

Wird das Dachwerk für die Nummerierung beschädigt?

Nein. Vorhandene historische Nummern werden übernommen; eine zusätzliche Nummerierung bringen wir nur zerstörungsfrei an.

Funktioniert das nur an Kirchen?

Nein. Das System lässt sich genauso an Fachwerkhäusern und anderen historischen Holzkonstruktionen einsetzen.

Fazit

Aus einer aufwendigen Zettelwirtschaft wird eine einzige, saubere Datenquelle – angelehnt an die vorhandene Nummerierung, denkmalgerecht und zerstörungsfrei. Die fachliche Bewertung überlassen wir den Experten; wir sorgen dafür, dass ihre Dokumentation lückenlos und nachvollziehbar ist.

Sprechen Sie uns an. Gerne stellen wir Ihnen das Vorgehen in einem persönlichen Termin vor und zeigen Ihnen ein Projekt auch live online.


Diese Serie in drei Teilen: Teil 1 – Vom 3D-Laserscan zum verformungsgerechten IFC-Modell · Teil 2 – Schadenskartierung am Dachwerk (dieser Beitrag) · Teil 3 – Cloudviewer & digitales Schadenskataster (in Kürze)

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